Die Nachricht hat in Basel und in der Uhren- und Schmuckbranche für Aufmerksamkeit gesorgt: Mit BASILEA soll ab 2027 eine neue internationale Messe für Schmuck, Uhren und Luxusgüter entstehen. Die Veranstalter wollen damit an die Tradition anknüpfen, die Basel über Jahrzehnte hinweg zur Welthauptstadt der Uhren- und Schmuckmessen gemacht hat.
Als Uhrmacher und Juwelier in Basel verfolge ich diese Entwicklung mit grossem Interesse. Grundsätzlich begrüsse ich das Projekt. Die grossen Messehallen in Basel sind ein bedeutender Standortfaktor für unsere Region. Dass ein Grossteil dieser Infrastruktur seit dem Ende der Baselworld weitgehend ungenutzt geblieben ist, kann auf Dauer weder im Interesse der Stadt noch der Wirtschaft sein. Jede Initiative, die neues Leben in die Messehallen bringt und internationale Besucher nach Basel lockt, verdient deshalb zunächst einmal Anerkennung.
Basel und die Uhrenbranche gehören zusammen
Basel hat eine einzigartige Geschichte als Messe- und Uhrenstadt. Über Jahrzehnte hinweg war die Baselworld der wichtigste Treffpunkt der internationalen Uhren- und Schmuckbranche. Hersteller, Händler, Journalisten und Sammler aus aller Welt pilgerten jedes Jahr an den Rhein.
Mit dem Ende der Baselworld verlor Basel nicht nur eine Messe, sondern auch einen Teil seiner internationalen Identität als Zentrum der Uhrenbranche. Hotels, Restaurants, Transportunternehmen und zahlreiche Dienstleister spürten die Auswirkungen unmittelbar.
Aus dieser Perspektive betrachtet ist BASILEA eine spannende Chance. Eine erfolgreiche Veranstaltung könnte Basel wieder stärker auf die internationale Landkarte der Uhren- und Schmuckindustrie zurückbringen und neue wirtschaftliche Impulse setzen.
Die Herausforderungen sind jedoch gross
Trotz meiner grundsätzlich positiven Haltung sehe ich die Entwicklung auch mit einer gewissen Vorsicht.
Die entscheidende Frage lautet aus meiner Sicht: Wird es genügend Aussteller geben?
Die Rahmenbedingungen haben sich seit den Glanzzeiten der Baselworld grundlegend verändert. Viele Hersteller und Marken hinterfragen heute sehr genau, ob sich die Teilnahme an einer grossen Messe wirtschaftlich überhaupt noch lohnt.
Früher waren internationale Messen nahezu alternativlos. Wer neue Produkte präsentieren wollte, musste auf den grossen Branchenveranstaltungen vertreten sein. Heute sieht die Situation anders aus.
Digitale Präsentationen, soziale Medien, Livestreams, Online-Events und Direktmarketing ermöglichen es Marken, ihre Neuheiten weltweit zu präsentieren – oft zu einem Bruchteil der Kosten einer klassischen Messe.
Hohe Kosten belasten die Aussteller
Ein weiterer Faktor sind die enormen Kosten, die mit einer Messeteilnahme verbunden sind.
Dabei geht es nicht nur um die Standmiete. Hinzu kommen:
- Transport von Uhren und Schmuck
- Messebau und Standgestaltung
- Hotelkosten
- Personalaufwand
- Sicherheitskonzepte
- Marketing und Veranstaltungen vor Ort
Gerade kleinere und mittlere Unternehmen müssen heute sehr genau rechnen.
Die Kritik an den Kostenstrukturen war letztlich auch einer der Gründe, weshalb die Baselworld in Schwierigkeiten geriet. Viele Aussteller hatten zunehmend das Gefühl, dass Aufwand und Nutzen nicht mehr in einem ausgewogenen Verhältnis standen.
Wenn BASILEA langfristig erfolgreich sein möchte, wird sie aus meiner Sicht zeigen müssen, dass sie aus diesen Erfahrungen gelernt hat.
Die Schmuckbranche steht zusätzlich unter Druck
Besonders anspruchsvoll ist die Situation derzeit im Schmucksektor.
Der Goldpreis bewegt sich seit längerer Zeit auf historisch hohen Niveaus. Das verteuert nicht nur die Produktion, sondern beeinflusst auch das Kaufverhalten vieler Kunden.
Zahlreiche Schmuckhersteller stehen unter erheblichem Kostendruck. Gleichzeitig beobachten wir eine gewisse Zurückhaltung bei Konsumenten, die angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten grössere Anschaffungen sorgfältiger abwägen.
In einer solchen Marktphase fällt es vielen Unternehmen schwerer, hohe Marketingbudgets für Messeauftritte freizugeben.
Gerade deshalb wird entscheidend sein, ob BASILEA den Ausstellern einen echten Mehrwert bieten kann.
Der persönliche Austausch bleibt unersetzlich
Trotz aller Digitalisierung gibt es jedoch einen Punkt, der für Messen spricht und den keine Online-Plattform vollständig ersetzen kann: den persönlichen Kontakt.
Insbesondere die Schmuckbranche lebt von Vertrauen, Emotionen und direkten Begegnungen.
Ein Schmuckstück oder eine hochwertige Uhr ist weit mehr als ein Produkt. Es geht um Handwerkskunst, Design, Materialqualität und oftmals auch um eine persönliche Geschichte. Viele Geschäftsbeziehungen entstehen nicht in Videokonferenzen, sondern bei einem Gespräch am Messestand.
Deshalb glaube ich weiterhin an die Bedeutung von Präsenzveranstaltungen.
Allerdings müssen moderne Messen heute mehr bieten als nur Ausstellungsflächen. Networking, Fachvorträge, exklusive Veranstaltungen, Medienpräsenz und konkrete Geschäftsmöglichkeiten werden zunehmend wichtiger.
Eine Chance für Basel
Für Basel selbst wäre eine erfolgreiche BASILEA zweifellos ein Gewinn.
Die Art Basel zeigt jedes Jahr eindrucksvoll, welche wirtschaftliche Bedeutung internationale Veranstaltungen für die Stadt haben können. Hotels, Gastronomie, Detailhandel und zahlreiche weitere Branchen profitieren von den zusätzlichen Gästen.
Eine attraktive Schmuck- und Uhrenmesse könnte diese Wirkung ergänzen und neue Besuchergruppen nach Basel bringen.
Gerade in einer Zeit, in der viele Städte um internationale Aufmerksamkeit konkurrieren, sollte Basel seine Tradition als Messe- und Begegnungsstandort nicht aufgeben.
Mein Fazit
Ich sehe BASILEA mit vorsichtigem Optimismus.
Die Idee ist spannend, der Standort Basel bietet ideale Voraussetzungen, und die Branche könnte von einer neuen Plattform profitieren. Gleichzeitig dürfen die Herausforderungen nicht unterschätzt werden.
Die Veranstalter müssen die Aussteller überzeugen, dass sich eine Teilnahme wirtschaftlich lohnt und einen echten Mehrwert schafft.
Ob dies gelingt, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.
Als Basler Uhrmacher wünsche ich den Organisatoren jedenfalls viel Erfolg. Für die Stadt Basel, für den Tourismus, für die Hotellerie und letztlich auch für die gesamte Uhren- und Schmuckbranche wäre es erfreulich, wenn BASILEA zu einer Erfolgsgeschichte werden würde.
Ich drücke den Verantwortlichen die Daumen – und hoffe, dass Basel wieder ein Stück seiner historischen Bedeutung als internationale Uhren- und Schmuckmetropole zurückgewinnen kann.
Patrik-Philipp Huber
Uhrmacher und Juwelier in Basel
















