Die Uhrenfabrikation Du Bois et Fils meldet am 10. April 2023 einen Diebstahl. Unbekannte stehlen am Osterwochenende im Basler Showroom ca. 80 bis 100 ausgestellte Prototypen Uhren im Wert von rund 150’000 Franken.
Gemäss Angaben vom Firmeninhaber Thomas Steinemann sollte mithilfe der Seriennummern die entwendeten Uhren zugeordet werden. Die von den Dieben gestohlenen Uhren tragen alle die Seriennummern 00, XX oder gar keine Editionsnummern. Die Firma warnt vor Käufen von Uhren ohne klar ausgewiesene Limitierungsnummer.
Historischer Film über Schattenseiten in der Schweizer Uhrenindustrie
Der neue Film des jungen Schweizer Regisseurs Cyril Schäublin – selbst ein Nachkomme einer Nordwestschweizer Uhrmacherfamilie – erzählt von der jungen Fabrikarbeiterin Josephine, die das mechanische Herzstück der Uhren herstellt, nach dem der Film benannt ist. Er spielt zu einer Zeit, als die Schweiz von Unfreiheit und Anarchie geprägt war…
UNRUEH spielt in einer Epoche technologischer Umbrüche und damit einhergehender markanter Veränderungen der sozialen Ordnung, die bis in die aktuelle Zeit hineinwirken.
An der Berlinale 2022 wurde der Film in der Encounters Sektion mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.
UNRUEH, Schwyzerdeutsch für „Unruhe“, hat mindestens drei Bedeutungen. Der Begriff steht für das grundlegende Teil jeder Uhr, der das Räderwerk antreibt und in der richtigen Balance hält. Aber er meint natürlich auch das Aufbegehren der Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich die Freiheit eines selbstbestimmten Lebens nicht nehmen lassen wollen. Und das Wort weist natürlich auf das nervöse Lebensgefühl hin, ohne das die Moderne kaum auszukommen scheint…
UNRUEH – Der Film
Zum Inhalt:
Der Film beginnt im Neuenburger Jura, im Jahr 1877. Neue Technologien verändern eine kleine Uhrmacherstadt in der Schweiz des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die junge Fabrikarbeiterin Josephine stellt das mechanische Herzstück der Uhren her, die ‹Unrueh›. Während sie sich neuen Formen der Organisation von Geld, Zeit und Arbeit ausgesetzt sieht, beginnt sie sich in der lokalen Bewegung der anarchistischen Uhrmacher zu engagieren. Dort begegnet sie dem russischen Reisenden und Kartographen Pyotr Kropotkin…
Cyril Schäublins erster Spielfilm «Dene wos guet geit» (2017) wurde an Festivals rund um den Globus gefeiert und mehrfach prämiert. Mit «Unrueh» geht der Regisseur zurück zu seinen familiären Wurzeln – und weist darüber hinaus auch in die Gegenwart. Sein Film spielt in einer Epoche technologischer Umbrüche und damit einhergehenden markanten Veränderungen der sozialen Ordnung, die bis in die aktuelle Zeit hineinwirken. Ein facettenreicher, formal und schauspielerisch herausragender, durch Sprachwitz glänzender Spielfilm…
Fazit von film-rezensionen.de
Ein Film mit historischen Kostümen, aber kein Geschichtsschinken. Er schmückt wahre Begebenheiten aus der Geschichte der anarchistischen Arbeiterbewegung der Schweiz, mit leisen Anspielungen auf die zentralen Themen unserer Zeit aus – in unaufgeregtem, aber desto eindringlicherem Tonfall.
⬈ SRF Filmredaktorin Brigitte Häring und Selim Petersen über den Film «Unrueh»
Unrueh in Basel
In Basel wird der Film im kult.kino zu sehen sein. Am 28. November 2022 gibt es dort auch einen «Kulturstammtisch» zum Film, inkl. Filmgespräch mit dem Regisseur und der Filmjournalistin Marcy Goldberg.
Genre: Drama
Englischer Titel: Unrest
Darsteller: Clara Gostynski, Alexei Evstratov, Monika Stalder, Li Tavor, Valentin Merz, Michael Fehr u.v.a.
Kamera: Silvan Hillmann
Musik: Li Tavor
Filmlänge: 93 Min
SRF Koproduktion
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Anarchistische Uhrmacher in der Schweiz
Mikrohistorische Globalgeschichte zu den Anfängen der anarchistischen Bewegung im 19. Jahrhundert.
Buch von Florian Eitel über anarchistische Uhrenmacher als alternative Globalisierer: Ein Band über den Versuch, eine neue Weltordnung aufzubauen…
Nach der Premiere in Genf und einen zweiten Concept-Store in Zürich, eröffnet Panerai nun demnächst einen weiteren Flagshop Store in Basel. Für die Innenausstattung des Ladens soll Panerai nichts dem Zufall überlassen haben, und wird alles unternehmen, damit sich die Kundschaft wohl fühlt.
Schweizer Uhrenladen mit italienischem Flair
Designermöbel und Ausstattungsobjekte italienischer Hersteller sollen das Interieur der Panerai Boutique prägen. Wir dürfen gespannt sein…
Wann die Boutique eröffnet, erfahren Sie,
wenn Sie sich auf der ⬈ Panerai Homepage registrien lassen.
1860 in Florenz als Uhrmachergeschäft und -schule gegründet, lieferte Panerai jahrzehntelang Präzisionsinstrumente für die italienische Marine und speziell für deren Kampftauchereinheiten. In der Anfangszeit der Marke produzierte Panerai vorwiegend Uhren für die italienische Marine. Modelle, die damals im Einsatz waren – unter anderem die Luminor und die Radiomir – unterlagen lange dem Militärgeheimnis.
Erst nach der Übernahme durch die Richemont-Gruppe im Jahre 1997 brachte das Unternehmen seine Uhren auf den internationalen Markt.
Im Januar 2022 eröffnete Panerai schon in Genf und Dubai ähnliche Flagship Stores. An weiteren Standorten wie in New York, Paris und Mailand sollen ebenfalls Monobrand Concept Stores entstehen. Basel gehört also nun ganz offziell zu den top Städten der Welt…
Die älteste Uhrenmarke der Welt ist wieder in Basel erhältlich.
Die Geschichte von Blancpain reicht bis ins Jahr 1735 zurück und ist stark geprägt von fortwährender Innovation. Die legendären Taucheruhren der Kollektion „Fifty Fathoms“ waren die ersten modernen Taucheruhren überhaupt. Sie verkörpern die Leidenschaft und das Engagement der Marke Blancpain für die Meereswelt…
Weitere Infos über die Marke erfahren Sie vor Ort bei der Chronometrie Spinnler + Schweizer Team am Marktplatz 11 in Basel.
«Mit der herausragenden Uhrmacherkunst der Manufaktur Blancpain habe ich eine enge persönliche Verbindung: Als junger Uhrmacher habe ich in Le Brassus gearbeitet. Jetzt bin ich stolz darauf, dass wir bei der Chronometrie Spinnler + Schweizer die Marke Blancpain in Basel vertreten dürfen. Der Kreis schliesst sich.»
Roger Schweizer
Uhrmacher-Rhabilleur und Inhaber der Chronometrie Spinnler + Schweizer
Im Netz häufen sich plötzlich die Gerüchte, dass die neue MoonSwatch von Omega und Swatch abfärben würde. Kann das wirklich sein, oder ist dies nur ein schlechter Scherz?
Angeblich soll die Farbe der blauen MoonSwatch Neptun abfärben » Bild
Das für das Uhrengehäuse verwendte ⬈ Bio Ceramic soll auch aus zwei Dritteln Keramik und einem Drittel „Bio-Plastik“ (Rizinus-Öl) bestehen. Ob der Batteriedeckel aus dem gleichen Material besteht, konnte ich nicht herausfinden.
Da Swatch ja bereits über ein Jahr Erfahrung mit dem High-Tech Material hat, und an der Entwicklung des Biokunststoffes gemäss eigenen Angaben rund 500 Ingenieure beteiligt waren, kann dies doch fast nicht möglich sein.
Es fällt mir sehr schwer zu glauben, dass das Gehäuse der Uhren nicht farbecht sein soll, und gehe höchsten davon aus, dass der Aufdruck des blauen Neptuns auf dem Batteriedeckel vielleicht abfärben könnte.
Wenn dies aber wirklich wahr ist, wäre dies kein super Coup, sondern ein Supergau.
Die Lancierung der Moon-Swatch schlägt weltweit hohe Wellen. In Basel standen heute morgen geschätzte 200 bis 300 Kunden an, um die neueste Omega X Swatch – Speedmaster MoonSwatch Bioceramic zu ergattern.
Auch in anderen Städten reissen sich die Menschen um die neuen Armbanduhren. Soweit mit bekannt ist, soll am 26.3.2022 jedes der 10 Schweizer Verkaufsstellen 200 Stück erhalten haben und pro Kunden dürfen nicht mehr als 2 Uhren verkauft werden. Bei dem grossen Andrang wird es wohl einige enttäuschte Kunden geben, die vergeblich gewartet haben…
Bunte Himmelskörper
Auf der Gehäuserückseite zeigt das Batteriefach den Planeten,
dem das entsprechende Modell gewidmet ist.
Der Chronograph ist in elf verschiedenen Farben von Beige über Blau-Grün bis hin zu Pink oder Gold erhältlich. Auf dem Zifferblatt befinden sich sowohl das Omega- als auch das Swatch-Logo. Die Abmessungen der MoonSwatch entsprechen mit 42 Millimeter Durchmesser und 13.6 Millimeter Höhe der originalen Speedmaster Professional von Omega.
Die beiden Uhrenmarken aus der Swatch Group ⬈ OMEGA und SWATCH zusammen. Im Fokus steht dabei die legendäre «Moonwatch». Inspiriert ist die Uhr vom Omega-Kult-Chronographen «Speedmaster», der als erste Uhr auf dem Mond getragen wurde und deshalb auch «Moonwatch» genannt wird.
Die MoonSwatch erscheint in elf unterschiedlichen Farbversionen, die jeweils einen Planeten, Stern oder Zwergplaneten unseres Sonnensystems vertreten. Die bunten Gehäuse aus nachtaltigem ⬈ Bioceramic, das zu zwei Dritteln aus Keramik und zu einem Drittel aus einem Rizinus-basierten Material besteht, verweisen auf den jeweiligen Himmelskörper: so steht gelb für die Sonne, dunkelgrau für Merkur, rosa für die Venus, grün für die Erde, hellgrau für den Mond, rot für den Mars, sandfarben für den Jupiter, beige für den Saturn, hellblau für den Uranus, blau für den Neptun und hellgrau mit dunkelrotem Panda-Zifferblatt für Pluto.
Die Omega Speedmaster Monduhr hat ein sportlich schlichtes, aber sehr zeitloses Design. Dies ist wohl einer der Gründe, warum diese auch nach 50 Jahren immer noch eine der beliebtesten Sammleruhren bei uns ist.
Die Monduhr von Omega kostet heute CHF 6’350.-. Die Moonswatch hingegen nur CHF 250.-.
Natürlich kann man eine handgefertige mechanische Uhr nicht mit einem batteriebetrieben Massenprodukt vergleichen. Aber die Begeisterung und die grosse Nachfrage um die Uhr, kann ich gut nachvollziehen und gratuliere beiden Firmen zu diesem Coup.
Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass der Hype um die Moonswatch für die Uhrenbranche als ganzes positiv ist. Zeigt es doch, dass eine schöne Armbanduhr mehr ist, als „nur“ ein Zeitmessinstrument.
Wunderschöne Produkte, eine treue Kundschaft und viel Herzblut – das machte uns jahrelang zum führenden Anbieter für Uhren und Juwelen in Basel. Nach mehr als sechs Jahrzehnten geben wir nun die Schliessung unseres Geschäfts zum 31. Juli bekannt.
In dem sich stetig verändernden Marktumfeld ist unser Geschäftskonzept mittlerweile ein Auslaufmodell geworden.
Viele Schmuck- und Uhrenmarken führen ihre eigenen Monobrand Stores und auch das Internet hilft nicht. Dieser Entwicklung können wir uns auf Dauer nicht entgegenstellen. Aus diesem Grund haben wir schweren Herzens den Entschluss gefasst, Mezger Uhren und Juwelen zu schliessen.
Wir verabschieden uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn unsere Geschichte geht weiter: Die Basler Cartier Boutique bleibt weiterhin von uns familiengeführt und wird unsere Räumlichkeiten in der Freie Strasse 101 beziehen. Urs Mezger
In den letzten Jahren hat Basel über 20 Uhren-Bijouterie verloren. Ich bedauere sehr, dass Basel mit Juwelier Mezger wieder ein weiteres top Geschäft verliert…
Das Basler Bahnhof SBB ist der Einzige in der Schweiz, der zwei Uhren hat. Hinter dieser Besonderheit steckt ein interessantes Stück Schweizer Geschichte.
Jeder Schweizer Bahnhof hat mindestens eine Bahnhofsuhr
Die Schweizer Bahnhofsuhr existiert in ihrem heutigen Design seit 1944. Damals entwickelte ⬈ Hans Hilfiker die schlichte, moderne Uhr. Ihr Sekundenzeiger ist ein roter, dünner Stab mit einer runden Scheibe am Ende. So erinnert sie an die Kelle des Bahnhofsvorstehers. Die Schweizer Bahnhofsuhr ist sehr leicht abzulesen und entspricht immer noch unserem Zeitgeist. In das Tempo der Zugreisen bringt sie ein wenig Gelassenheit.
Reisen wir ein Stück zurück in die Geschichte. Im Jahr 1844 rauschte der erste Zug durch die Schweiz. Die Strecke reichte damals von Mulhouse nach Basel. Damit war hier nicht nur die erste Zugstrecke der Schweiz geschaffen worden, sondern auch die erste internationale Zugverbindung weltweit. Oft wird heute die Fahrt von Zürich nach Baden als erste Zugfahrt der Schweiz erinnert. Aber sie fand erst drei Jahre später statt.
Der Bau des ersten Schweizer Bahnhofs machte eine Erweiterung der Stadtmauer erforderlich. Mittlerweile stehen beide nicht mehr. Im Jahr 1860 nahm der Centralbahnhof seinen Dienst auf. Das lange symmetrische Gebäude besass zwei Bahngesellschaften. Eine für in die Schweiz, die andere nach Frankreich.
Bevor die Eisenbahn den Takt des Lebens bestimmte und die Industrialisierung beschleunigte, hatte jede schweizerische Stadt ihre eigene Zeit. Diese richtete sich nach dem Höchststand der Sonne. Zu diesem Zeitpunkt war es Mittag. Die Bahn, die die Städte miteinander verband, brachte also täglich Reisende in Städte, auf deren Zeit sie sich einstellen mussten. Das Zugpersonal musste sich nach verschiedenen Uhrzeiten richten.
Auch in anderen Ländern gab es eine solche Vielfalt in der Zeitmessung. Zu dieser Zeit kamen in den USA mehr als zehn Menschen bei einem Zusammenstoss zweier Züge ums Leben. Dieses Unglück ereignete sich, weil die Zugführer verschiedene Uhrzeiten hatten.
Als Versuch, das Chaos zu bereinigen, richtete man Uhrzeiten ein, die ausschliesslich für die Züge galten. Das bedeutete, dass die Bahnhofsuhr eine andere Zeit anzeigte als die Kirchturmuhr. Auf Dauer setzte sich die Bahnhofsuhr durch. Denn in der Industrialisierung gab der Fortschritt den Takt an, nicht mehr die Spiritualität.
Zwei Uhren.
Sinnbild der Internationalität
Die schweizerische Eisenbahnzeit war die ⬈ Berner Zeit. Fuhren Züge nach Frankreich, richteten sie sich nach der Pariser Zeit. Dies ist der Grund für die zwei Uhren am Basler Bahnhof SBB: Die linke Uhr zeigte die Berner Zeit an, die rechte die Pariser Zeit. So wussten die Reisenden jeweils, ob sie pünktlich waren, – für Fahrten entweder in die Schweiz oder nach Frankreich.
Damit ist die doppelte Zeitmessung am Basler Bahnhof SBB ein frühes Symbol der Binationalität, der Internationalität und sogar der beginnenden Globalisierung. Die Zeit, in der die Bewohnerinnen und Bewohner der Städte weitestgehend unter sich blieben, war vorbei. Sie wich der Völker verbindenden Vernetzung der Nationen und Kontinente.
Im Jahre 1986 inspiriert sich der Schweizer Uhrenhersteller Mondaine, vom emblematischen patentierten Design der Bahnhofsuhr und verwandelt es in eine Uhrenkollektion — mit offizieller Genehmigung der Schweizerischen Bundesbahn.
Zwei Uhren zwei Uhrzeiten
Die beiden Uhren haben überigens lange nicht die gleiche Zeit angezeigt. Dies wird vom Historiker ⬈ Benedikt Meyer so gut und lustig erklärt, dass man sich das Video fast ansehen muss. (Sehr empfehlenswert)
Infos über den Basler Centralbahnhof ⬈ SBB ⬈ Wikipedia
Vor der Einführung der mitteleuropäischen Zeit von 125 Jahren hatte jede Stadt ihre eigene Zeit. In der heutigen Zeit der weltweiten Vernetzung und Kommunikation erscheint uns dies unglaublich. Aber früher war es Realität.
Einführung der mitteleuropäischen Zeit vor 125 Jahren
Am 01. April 1893 wurden die Uhren in Deutschland, Österreich und Italien auf eine einheitliche Uhrzeit eingestellt. Damit war die mitteleuropäische Zeit zumindest für drei Nationen geboren. Im Jahr darauf trat die Schweiz dieser Vereinbarung bei. Vorher gab es hier eine Vielzahl von unterschiedlichen Uhrzeiten, denn diese waren in allen Städten verschieden. Die jeweilige Zeit wurde vor der Vereinheitlichung durch den Sonnenstand auf dem entsprechenden geografischen Längengrad ermittelt.
Chaos auf Reisen mit der Eisenbahn
Der Eisenbahnverkehr, der erst vor wenigen Jahrzehnten entstanden war und für einen schnelleren Transport von Menschen und Gütern sorgte, war ein Vorbote der Globalisierung. Aufgrund der verschiedenen Zeitmessungen brach hier auf nahezu jeder Reise Chaos aus. Insbesondere Grenzstädte wie Basel waren davon betroffen.
Man versuchte die Missstände zu beheben, indem man Einheitszeiten festlegte, die nur für die Züge galten. Diese orientierten sich meist an den Zeiten der jeweiligen Hauptstädte. Aber wer möchte schon an einem Bahnhof aussteigen und sich plötzlich in der betreffenden Stadt nach einer völlig anderen Zeit richten?
In Basel gab es seit 1854 den Central Bahnhof, der heute Bahnhof SBB heisst. Ein Jahr später nahm der Badische Bahnhof den Verkehr auf. Beide zeigten eine unterschiedliche Zeit an – in derselben Stadt!
Ähnliche Zustände gab es auch in der Neuen Welt. Im Jahr 1853 geschah in den USA ein schweres Zugunglück, das man auf das Chaos der Uhrzeiten zurückführte. Zwei Lokführer hatten ihre Taschenuhren auf unterschiedliche Uhrzeiten eingestellt. Dies hatte zur Folge, dass zwei Züge in Virginia Falls zusammen stiessen. Dreizehn Menschen kamen dabei ums Leben. Damit war das Dilemma nicht mehr zu übersehen.
Der steinige Weg zur ersten Einigung der Europäer
Auf einer Tagung in Washington im Jahr 1884 stellte einer der Teilnehmer eine Möglichkeit der Zeitregulierung vor. Ein System aus 24 Zeitzonen sollte die Welt übersichtlich machen und das Chaos der Gemeinden und Städte beenden. Vor allem Deutschland zeigte hier jedoch Vorbehalte, weil konservativ gestimmte Kreise an der Städte-Regelung festhalten wollten. Neun Jahre später einigten sich aber die mitteleuropäischen Staaten auf die MEZ (mitteleuropäische Zeit). Danach schlossen sich immer mehr Länder an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges traten schliesslich auch Grossbritannien, Portugal, Monaco, Irland und Andorra der europäischen Regelung bei. Die MEZ bezieht sich auf den 15. Längengrad Ost und gilt in Mitteleuropa und Teilen Afrikas.
Die Sommerzeit gilt seit 1977 auch in der Schweiz
Zwei Mal im Jahr werden die Uhren umgestellt, nämlich Ende März und Ende Oktober. Die sogenannte Sommerzeit hängt mit der MEZ zusammen. Auch die Menschen in Basel nehmen daran teil, denn 1977 schloss sich die Schweiz dieser Einheitlichkeit an.
Um den Übergang so geschmeidig wie möglich zu gestalten, entschied man sich, die Umstellung auf eine Nacht im Wochenende zu legen. Diese Zeit machte die Umstellung für die SBB einfacher, ein Grossteil der Bevölkerung schläft und Nachzügler haben am Sonntag noch Zeit, die Uhren umzustellen.
Immer wieder flammen Diskussionen auf, die Sommerzeit abzuschaffen. Daher befasst sich derzeit das Europäische Parlament mit dieser Thematik. Ob man die Winter- oder die Sommerzeit als Normalzeit festlegen soll, ist jedoch umstritten. Obwohl die Schweiz nicht Mitglied der EU ist, könnte dies auch hier Folgen haben. Ähnlich wie bei der Anpassung an Europa bei der Einführung würde es auch heute keinen Sinn machen, alleine an der Winterzeit festzuhalten. Ist das Ende der Sommerzeit gekommen?
Die „Basler Zeit“ währte 400 Jahre
Die Baslerinnen und Basler sind stolz auf ihr Basler Münster. Majestätisch reckt es sich empor und umflutet die Stadt mit Spiritualität. Aber die Sonnenuhr am Münster geht im Winter eine Stunde vor und zeigt statt der „normalen“ Zeit die Sommerzeit an. Warum?
Im Mittelalter wurden die römischen Temporalstunden entwickelt, die die Basis für die Zeitmessung darstellten. Der Tag hatte nun zwölf Nacht- und zwölf Tagesstunden. Sieben dieser Stunden waren die Horen, also die Stunden der Gebete. So gab es z. B. „Laudes“ am Morgen, „Vesper“ zum Ende des Tages und andere Horen. Aber die Menschen in Basel zählten die Horen nicht nach der zurückliegenden, sondern nach der angebrochenen Stunde. Der Mittag war also die erste Stunde, Mitternacht die Dreizehnte.
Es gibt noch andere Legenden, die die Basler Zeit zu erklären versuchen. Eine davon erzählt, dass ein Überfall auf die Stadt geplant war. Um Mitternacht sollte Basel von den Feinden mit der Hilfe von Basler Kollaborateuren eingenommen werden. Der Turmwärter erfuhr davon erst kurz vorher. Also blieb ihm keine Zeit, um Alarm zu geben. Daher stellte er einfach die Turmuhr eine Stunde vor. Mitternacht fiel aus und der Ansturm fand nicht statt.
Was hat die Nordwestschweizer Stadt Basel zu dem gemacht, was sie heute ist? Dieser Frage gehen Historikerinnen und Historiker im neuen Buch “Basler Geschichte in Kürze – Zeitsprünge” nach. Inspiriert wurde es von einer Ausstellung im Historischen Museum Basel: